L´Chaim und wie das Nachtleben so spielt

Tel Aviv ist eine wundervolle Stadt. Ideal für junge Menschen, die gerne auf Partys gehen und sich dem berauschenden Nachtleben hingeben möchten. Oder für Menschen wie mich. Da ich als Kellnerin sozusagen mit dem Nachtleben verheiratet bin, muss ich ihm auch im Urlaub treu bleiben. Bis dass der Tod uns scheidet eben. Davon kommt man nicht so leicht los, aber dafür trinke ich schließlich auch viel zu gerne.

Unsere Beziehung bekam aber an dem Punkt eine schwere Krise, als ich für ein kleines Bier umgerechnet acht Euro abdrücken musste. Wehmütig, legte ich das Geld zur Rechnung. „Wie soll es bloß mit uns weitergehen?“ dachte ich. Aber so leicht wollte ich nicht aufgeben. Immerhin war ich noch immer total verliebt in das prunkvolle Nachtleben und der Gedanke daran, dass es einfach so zu Ende sein sollte, machte mich total fertig und ziemlich durstig. Immerhin möchte man ja immer dass, was man nicht haben kann. Nun gut dachte ich, nur keine übereiligen Schlüsse ziehen, vielleicht hat es mein, sonst so aufregendes und kostengünstiges, Nachtleben ja nicht so gemeint. Der Urlaub hat ja erst begonnen.

Obwohl allgemein bekannt ist, dass die meisten Beziehungen im Urlaub zu Bruch gehen, ließ ich mich nicht davon abbringen alles zu tun, um eine Lösung für unser Dilemma zu finden. So gingen meine Freundin Anna und ich auch am nächsten Abend zum naheliegenden Flohmarkt und klapperten die, mit Schanigärten gespickten, Gassen nach halbwegs leistbaren Lokalen ab. Es war enttäuschend, ich bekam einen Korb nach dem anderen.

Umso länger wir umherschlenderten umso aufgebrachter wurde ich und schlussendlich war ich schon den Tränen nahe, wie konnte es mir nur so etwas antun? Ausgerechnet im Urlaub, wo man doch die schönste Zeit überhaupt zusammen erleben sollte! Ich fühlte mich ungeliebt und wertlos. Vom Nachtleben ausgestoßen „Friss oder stirb“ war die Devise. So war es noch nie mit mir umgegangen!

Anna und ich setzten uns in eine der Bars. Ich brauchte dringend irgendetwas zur Beruhigung. Ich bestellte ein acht Euro Bier und einen fünf Euro Shot. „Hier bitte!“ dachte ich gereizt „bist du jetzt zufrieden? Ist es dass was du willst?“ Es war einfach schrecklich, denn ich hasse es zu streiten!

Aus trotz bestellte ich noch ein Bier. Für meine Freundin war es auch nicht einfach, denn immerhin befand sie sich mittendrin und leidete genauso wie ich. Sie versuchte mich zu trösten und meinte, dass es sich im Ausland doch immer anders verhalten würde. Man müsse eben Kompromisse finden. Sie hatte wie immer Recht. Drei Shots später konnte ich wieder lachen.

Ich akzeptierte das Tel-Aviver Nachtleben, denn ändern konnte ich es sowieso nicht. Ziemlich überrascht war ich dann, als die zwei Jungs, mit denen wir an dem Abend plauderten, unsere, viel zu überteuerte, Rechnung bezahlten. Eine Ablehung der Einladung, meinten sie, wäre eine Beleidigung. Na wenn das so ist, beleidigen wollen wir hier ja niemanden!

Ich war unendlich glücklich, denn das Nachtleben schien mich nicht länger zu ignorieren „Es liebt mich doch noch“ dachte ich mit einem Lächeln auf dem Gesicht, dann stürzten wir den letzten Shot des Abends hinunter. L´Chaim.

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