Partnermobbing

Wenn schon privat nicht alles so richtig funktionieren will, dann zumindest im Arbeitsleben – sollte man meinen. Da hat es sich ja wunderbar ergeben, dass ich an einem ereignislosen und langweiligen Tag arbeiten musste und damit beauftragt wurde die „Neue“ einzuschulen.

Na von mir aus! Ich will mich ja nicht selbst loben, aber von mir kann man wirklich ausgesprochen viel lernen, denn ich bin immer höchst motiviert, super freundlich und total engagiert. Solange wie es eben sein muss! Dann wende ich mich wieder den wichtigen Dingen zu und beschwere mich über die Tragik meines Lebens, zumindest in der Arbeit. Ich wüsste auch nicht, was ich dort sonst machen sollte.

Derzeit arbeite ich gelegentlich bei klassischen Konzerten. Ich will nicht wissen was die Kameras, welche angebracht wurden um die Mitarbeiter (nicht dass das bei mir geklappt hätte) arbeitswillig zu stimmen, bis jetzt alles aufgezeichnet haben. Da ich noch nicht gekündigt wurde, weiß ich, dass es noch niemand zu Gesicht bekommen hat, oder wie ich vermute, die Kameras bloß billige Attrappen sind. Schade eigentlich, aber war ja klar, dass sich mal wieder niemand für mich interessiert.

Obwohl ich Arbeit im Allgemeinen ablehne, nahm ich meine Aufgabe die Neue, namens Daisy, einzuschulen ziemlich ernst, denn sie kann ja wirklich nichts dafür! Immerhin weiß sie ja noch nicht, dass sie hier nicht arbeiten möchte.

Als ich die Kleine vor mir dann genauer ansah war mir klar, dass ich sie unter meine Fittiche nehmen müsste. Wie ein Häufchen Elend stand sie in geduckter Haltung vor mir und bettelte förmlich darum geführt und geleitet zu werden. So brachte ich ihr in vier Stunden mehr bei, als nur das Aufgabengebiet des Jobs. Welches sowieso nur darin bestand zu lernen wie man die Zeit in der Arbeit am besten überbrückt.

Ich brachte ihr bei sich gegen böswillige Menschen und vorallem Freunde durchzusetzen, Anführerin zu sein, die Zubereitung der perfekten Shakshuka (ich hab immer Hunger) UND das wichtigste: die Regeln des Partnermobbings.

Ich rede nicht davon wie man seine/n Ehemann/Ehefrau, Lebensgefährten/in, oder wie man ja jetzt sagt „Lebensabschnittspartner/in“ so richtig fertig macht und quält, sondern, wie man in harmonischer Zweisamkeit, mit einem geliebten Gleichgesinnten, andere Opfer quält und über sie herzieht.

Daisy, die Inderin und ich. Ich sah uns schon, als das perfekte Dreamteam. Ich nutze den Moment, als sie anfing aus sich herauszukommen und über sich zu erzählen. Ich sinnte nach wie es wohl sein würde, mit Daisy Hand in Hand die Straße entlang zu laufen. Wir würden kleine dicke Kinder anschreien und mit Holzstöcken pisaken, fetten Frauen hässliche Dinge zu rufen und Mc Donalds Angestellte in aller Öffentlichkeit fertig machen.

Nachdem ich sie mit den Worten „Das ist ja toll Daisy“ und einem fast unübersehbaren Augenrollen unterbrochen hatte, hörte sie auf zu reden (ob sie gemerkt hat, dass ich ihr nicht zugehört habe?). Mit fassungsloser Miene sagte sie „Du hast mir gar nicht zugehört“. Verdammt! Ich hoffte inständig, dass sie sich trotzdem für eine Partnermobbing Beziehung mit mir entscheiden würde. Da sie aber kaum mehr mit mir sprach, sah ich das als Zustimmung. Ich wusste genau, dass es das ist was sie will und braucht.

Um sie versöhnlich zu stimmen, erzählte ich ihr wie ich zum Mobbing gekommen bin, dass ich aus Rache damit angefangen habe. Ich erzählte ihr von den Menschen in meinem Leben, die sich gegen mich verschworen haben.

Natürlich würde ich niemals gegen Daisy sein, sie ist ja schließlich meine wunderschöne, schwarzhaarige, rassige Inderin! Wobei ein bisschen abnehmen könnte sie schon, sieht aus als würde sie sich etwas gehen lassen. NEIN! So kann ich mich nicht mit ihr sehen lassen, was werden denn die Leute denken? Einfach unmöglich. Schlussendlich wäre ich wieder das Mobbingopfer.

Es sieht aber ganz so aus, als müsste ich Daisy nehmen wie sie ist. Zumindest muss ich sie das glauben lassen, denn alleine verliert das Partnermobbing seinen Sinn. Einfaches Mobbing ist einfach nur grausam und unter meiner Würde.

Außerdem macht es alleine auch nicht soviel Spaß…. schon ein bisschen, aber man hat niemanden der einen antreibt, oder gar versteht warum man das tut und somit auch keine Rechtfertigungsgrundlage, an der man festhalten kann. Manchmal fehlt einfach jemand der ein Foto davon schießt, wie ich gerade freudestrahlend einem acht jährigen das Taschengeld abnehme.

Ich weiß nicht warum, aber Daisy schien mich nicht ernst zu nehmen und als sie dann noch anfing wie verrückt zu lachen, war ich vollends verwirrt. „Was zum Teufel ist daran so lustig?“ fragte ich sie. „Ja du! Du spinnst komplett“ sagte sie und lachte weiter. Ich sah Daisy schockiert an, und in dem Augenblick wurde mir klar, dass Daisy und ich niemals eine Zukunft haben würden.

Es könnte nicht funktionieren. Wie denn auch, wenn sie eine eigene Meinung hat? Ich war am Boden zerstört, denn ich hatte mich total in ihr getäuscht. Ich dachte sie sei eine ruhige, demütige Person die mich braucht, damit sie weiß was sie denken soll, aber sie brauchte mich nicht. Was um Gottes Willen ist nur in diesen vier Stunden passiert? Von der hässlichen Raupe wurde sie zum wunderschönen, wenn auch etwas fetten, Schmetterling, der mir aus der Hand flog. Ich versuchte mir nicht die Schuld zu geben, denn jeder wird einmal getäuscht, aber es war sehr schmerzlich für mich, die bereits ausgemalte Zukunft mit Daisy in Rauch aufgehen zu sehen.

Mir wurde bewusst, dass Daisy mich genau, wie es alle anderen immer taten, nur benutzt hatte. Sie gewann mein Vertrauen und dann machte sie sich lustig über mich und trampelte auf meinen Gefühlen herum, obwohl ich doch so gut zu ihr war. Dieses miese, fette, undankbare Gör dachte ich, ich hab ihr alles beigebracht was ich wusste und so dankt sie es mir?

Die Wunden die durch diese Kränkung verursacht wurden, werden noch lange brauchen um zu Heilen und es sah so aus, als wäre ich wieder auf mich alleine gestellt. Blieb noch die Frage offen, wie es beruflich weitergehen sollte? Wenn ich privat schon nicht mobben könnte, könnte ich es dann vielleicht beruflich? Warum nicht? Vielleicht wird es Zeit in die vollen zu gehen und mein Hobby zum Beruf zu machen.

Ich kann nicht ewig auf irgendwelche dahergelaufenen Inderinnen warten, um meine Träume zu verwirklichen. Ich überlegte sogar, ob es möglich wäre mich in diesem Bereich selbstständig zu machen. Dafür gibt es dann bestimmt auch passende Lehrgänge an der Universität, wie zB. Psychologie und ganz wichtig wäre auch, Wissen über die Anatomie des Menschen zu erlangen, um genau zu wissen wo es am meisten weh tut. Am Ende meiner Ausbildung hätte ich dann meinen Master in der Tasche, der mich dazu befähigen würde ganz offiziell Menschen zu quälen und zu pisaken.

Nicht nur das, sondern Menschen würden mich sogar beauftragen dies für sie zu tun.
Irgendwelche verzogenen reichen Gören aus dem 1. Bezirk würden mir dann mitteilen an welcher Ecke ich die kleine 12 jährige pickelgesichtige Jenny abfangen und ihr eine ordentliche Lektion erteilen könnte. Somit könnte ich also mein Hobby zum Beruf machen und dabei auch noch Geld verdienen. Was gibt es schöneres? Bis mir einfällt, dass ich keine Matura habe. Ohne Matura kein Studium. Ohne Studium kein Master des Grauens, und ohne den Master auch kein legales Pisaken. Das Leben macht einfach keinen Spass.

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